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Was gutes User Experience Design in Enterprise Software ausmacht + Beispiele

Gutes Design und kinderleichte Bedienung sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sowohl bei Geräten des täglichen Gebrauchs als auch bei Software hat sich eine gelungene User Experience als wichtiger Erfolgsfaktor etabliert. Warum also die Erkenntnisse aus der Consumer-Welt nicht nutzen, um Enterprise Software ebenso attraktiv, intuitiv zu bedienen und letztendlich effizient zu machen?

Enterprise-Anwendungen müssen hohen Ansprüchen gerecht werden, denn darauf basieren häufig ganze Business-Modelle.  Das macht sie wesentlich teurer in der Entwicklung bzw. im Einkauf. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, wurde bisher oft zu All-in-One-Lösungen gegriffen, die aus zahllosen Bedienmasken bestehen und nur Verwirrung und Frust bei den Mitarbeitern stiften. Ein Garant für eine negative User Experience. Doch es geht auch anders und mit diesem Beitrag versuchen wir die Geheimnisse gelungener UX zu lüften.  

Bevor wir zur Sache kommen, eine kurze Begriffsklärung: User Experience (UX) ist nicht mit User Interface (UI) zu verwechseln. Tatsächlich sind beide Begriffe eng miteinander verwoben und können in der digitalen Welt kaum ohne einander existieren. Während der Begriff User Interface nahezu selbsterklärend ist – also die Oberfläche, auf der der Austausch zwischen Mensch und Maschine stattfindet, umfasst die User Experience gleich mehrere Dinge. Unter UX sind nämlich sämtliche Aktionen, Emotionen und Erfahrungen einer Person in Bezug auf ein bestimmtes Produkt, System oder Dienstleistung zu verstehen. Zum gelungenen User Experience Design gehört also auch ein solides Verständnis darüber, wie Nutzer mit einem Produkt umgehen.

Enterprise Design

Modernes Enterprise Design braucht eine Consumer-Grade-UX

Früher wurde Business-Software von einem C-Level-Manager ausgesucht und die Mitarbeiter mussten dann die ihnen zur Verfügung gestellten Tools nutzen. War die Bedienung einer Unternehmensanwendung kompliziert und kontraproduktiv, versuchten die Mitarbeiter sie durch eigene, manuelle Lösungen zu umgehen. In einigen Unternehmen ist dies leider heute noch Realität.

Die Tendenz geht jedoch in die Richtung, dass sich Teams und Mitarbeiter – soweit möglich – ihre eigenen Tools aussuchen. Angefangen bei dem Kalendertool über die Kommunikationswerkzeuge und die Designtools bis hin zum Dokumentenablagesystem. Die Anwendungen, die zum Erledigen von Geschäftsaufgaben bevorzugt werden, sind auch die, die im privaten Gebrauch infrage kommen würden. Mit anderen Worten gewinnt die Software mit der besten User Experience.  

Immer häufiger werden Entscheidungen über Tools von unten nach oben getroffen. Mitarbeiter entscheiden sich für die Software, die sie lieben, und nicht für die Software, die ihnen aufgezwungen wurde. Davon haben nicht nur die Mitarbeiter, die mit der Software besser zurecht kommen, etwas, sondern auch der Arbeitgeber, da seine Angestellten effizienter werden.

Die Schlussfolgerung für Unternehmen und Entwickler ist, dass sie bei der Anschaffung bzw. Entwicklung neuer Anwendungen die Nutzerwünsche in den Mittelpunkt stellen sollten. Wie es andere bereits mit Erfolg machen, sehen Sie in den nachfolgenden Beispielen.

3 Beispiele für B2B-Anwendungen mit einer gelungenen User Experience

SAP Fiori

ERP-Anwendungen, die Spaß machen? Mit SAP Fiori hat der deutsche Software-Gigant ein ganzheitliches UX-Konzept entwickelt, das beweist, dass auch anspruchsvolle Business-Anwendungen intuitiv, verständlich und vor allem attraktiv sein können. Der Beweis, dass es wirklich so ist? Das ausgesprochen positive Nutzererlebnis von SAP Fiori wurde mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet.

Das SAP Fiori User Experience Design wurde so konzipiert, dass die üblichen Geschäftsabläufe vereinfacht werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einem personalisierten Nutzererlebnis, das Business-Anwendungen einen familiären Touch verleihen soll. Das neue UX-Konzept von SAP nimmt zudem Abstand vom Image monolithischer Lösungen und setzt stattdessen auf eine Oberfläche, die auf das Wesentliche reduziert wurde und auf jedem beliebigen Gerät zur Verfügung steht – selbst auf der Apple Watch.

SAP Fiori UX

Quelle: Screenshot, SAP Fiori Cloud Demo

Trello

Karteikarten und Korktafel: Auf diesem einfachen Prinzip der Arbeitsorganisation basiert das Online-Tool Trello. Bekannt wurde Trello als eines der ersten Tools, die das digitale Projektmanagement im Kanban-Stil zugänglich machten. Die Kanban-Methode zeichnet sich vor allem durch ihre Spaltenstruktur, die die verschiedenen Aufgabenstatus (offen, in Bearbeitung, erledigt usw.) darstellt, aus. Das Besondere an Trello ist die Möglichkeit zur Teamarbeit und genau hier kommt die gelungene UX am besten zur Geltung. Durch Funktionen wie Drag & Drop, „Rückseiten“ der Karteikarten, die mehr Informationen enthalten, verschiedene Farben, Unteraufgaben und Dateianhänge wird das Projektmanagement im Team nicht nur einfacher, sondern auch angenehmer. Trello überzeugt voll und ganz – was seine unzähligen zufriedenen Nutzer bestätigen. Ein indirektes Lob geht dabei an die gelungene User Experience.

Trello UX

Quelle: Screenshot, Trello

MailChimp

Wenn man behaupten würde, dass MailChimp das E-Mail-Marketing revolutioniert hat, läge man gar nicht so falsch. Denn seit es MailChimp gibt, können auch Nutzer ohne technischen Hintergrund oder ohne einen Template-Designer bezahlen zu müssen, zeitgemäß aussehende E-Mail-Kampagnen kinderleicht erstellen. Wie das MailChimp gelungen ist? Durch die gezielte Analyse von Nutzerdaten, um auf die Bedürfnisse der Nutzer genau eingehen zu können.

Das UX-Team von MailChimp hat sogar ein kostenloses E-Book veröffentlicht, mit dem sie auf ca. 180 Seiten anderen UX-Designern den Schlüssel zum Erfolg verraten. Ein Insider-Tipp wäre: Schaffen Sie eine User Experience, die in Erinnerung bleibt. MailChimp ist das zum Teil durch humorvolle Meldungen gelungen, die einen zum Schmunzeln bringen. Hat man zum Beispiel aus Versehen für eine Kampagne ein Datum eingegeben, das in der Vergangenheit liegt, lautet die Fehlermeldung: „Please schedule your campaign for a time in the future because time travel is still hard.“ Ein Paradebeispiel für eine gelungene User Experience.

MailChimp UX

Quelle: Screenshot, MailChimp

 

Tipps für eine gelungene UX bei Business-Anwendungen

Auch wenn es keine allgemeingültige Zauberformel für ein gutes User Experience Design gibt, liegen UX-Entwickler, die die nachfolgenden Punkte beachten, in allen Fällen richtig:

  • Versuchen Sie jede Anwendung so einfach wie möglich zu gestalten – jedoch nie einfacher, als sie wirklich sein muss. Dafür müssen sie die Bedürfnisse der Nutzer möglichst gut kennen, was mit einer toolgestützten Analyse der Benutzerprozesse in Form von den sogenannten User Stories gelingen kann.
  • Rollenbasierte Benutzeroberflächen sind oftmals eine smarte Lösung, um eine angenehme User Experience zu schaffen. Wenn es keine vordefinierten Benutzertypen gibt, dann kann man sich auch mit fiktiven Personas behelfen und bei der Entwicklung versuchen, ihre Arbeit auf eine elegante und innovative Art und Weise zu unterstützen.
  • Auf Details achten: Ein schönes UI kann viel zu einem gelungenen UX beitragen. Icons, Schattierungen und stimmige Farben sind genauso wichtig wie der Willkommenssatz beim Laden der Anwendung oder die Fehlermeldung, wenn etwas schiefgelaufen ist.

Fazit

Bei dem UX-Design geht es um viel mehr als um die Schaffung eines angenehmen Nutzererlebnisses für Ihre Mitarbeiter. Wenn Sie in der Lage sind, ihre Arbeit mit der bereitgestellten Software schnell und problemlos zu erledigen, kann Ihr Unternehmen davon nur profitieren. Eine schlechte User Experience kann dagegen mehr Kosten verursachen, indem Geld für Schulungen ausgegeben bzw. die Arbeit langsamer oder über Umwege erledigt wird. Solche Kosten steigen über die Lebensdauer der Anwendung weiter an.

In einigen Fällen ist die Notwendigkeit eines besseren Nutzererlebnisses erkannt, jedoch stellen bestehende Altsysteme das größte Hindernis auf dem Weg zu einer ganzheitlichen UX dar. Dann bietet es sich an, auf Modernisierungstools zurückzugreifen, die den Übergang zu modernen Benutzeroberflächen erheblich erleichtern und somit bestehende Anwendungen sogar in mehrfacher Hinsicht zukunftsfähig machen können.

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