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Anzeichen, dass Ihr Legacy System ein Stolperstein für Ihr Unternehmen ist  – diese Handlungsoptionen stehen Ihnen zur Verfügung

Never change a running system?!?Lag das letzte Mal, dass Ihr Unternehmen eine zeitgemäße Anwendung von strategischer Bedeutung implementierte, vor dem großen Boom von Social Media, Smartphones und Streaming-Diensten? Wenn ja, dann nutzen Sie höchstwahrscheinlich ein Legacy-System. Die gute Nachricht: Sie sind nicht allein! Schätzungen zufolge läuft die Mehrheit der IT-Systeme auf veralteten Plattformen. Die schlechte: Durch ihre hohe Komplexität und fehlende Flexibilität sind Legacy-Systeme nicht in der Lage, den aktuellen Anforderungen der Kunden an schnellen und maßgeschneiderten Lösungen gerecht zu werden. Was deutet darauf hin, dass Ihr Altsystem ein Stolperstein auf Ihrem Weg ist und welche sind Ihre Handlungsoptionen?

1. Mangelnde Möglichkeiten zur Anpassung und Erweiterung

Einer der wichtigsten Kritikpunkte an Legacy-Systemen ist, dass sie hochkomplex und dadurch verhältnismäßig unflexibel sind. Lässt sich auch Ihre Anwendung kaum anpassen, wenn es Ihr Unternehmen oder der Markt verlangen? Früher wurden Applikationen nach dem „Stop und Start“-Prinzip entwickelt: Notwendige Anpassungen waren meist umfangreich, wurden aber in der Regel von einer langen Periode unveränderter Geschäftsprozesse gefolgt. Bis zur nächsten Veränderungswelle.

Doch dieses Modell funktioniert nicht mehr. Schlanke und anpassungsfähige Strukturen sind eine wichtige Anforderung an moderne Anwendungen, denn kontinuierliche Veränderungen gehören zu den täglichen Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Kurzsichtigkeit in Bezug auf Geschäftsprozesse und somit auch Legacy-Systeme gehören eindeutig der Vergangenheit an.

2. Immer mehr Sicherheitslücken tauchen auf

Oft fängt es schon damit an, dass die Plattform, auf der Ihre Anwendung basiert, vom Anbieter selbst nicht mehr supportet wird, wie es beispielsweise im Fall der viel genutzten Oracle Forms 6-11 ist. Um die Sicherheit eines Systems zu gewährleisten muss gleichzeitig auch die bereits erwähnte flexible Architektur gegeben sein – denn Sicherheitsupdates sollen kontinuierlich installiert werden können. Bestimmte Schwachstellen eines Legacy-Systems können aufgrund seiner großen, unflexiblen Natur nur schwer zu beheben sein. Auch wenn es einen Fix gibt, kommt der Patch in der Regel stark verzögert (wir haben das bereits mit Windows XP und WannaCry erlebt), denn ein Legacy-Fix zu erstellen ist viel schwieriger und steht folglich weit unten auf der Prioritätenliste von Entwicklern. Darum geraten Legacy-Systeme früher oder später in eine Phase, in der sie zu einer Gefahr für das Unternehmen werden.

3. Der Zugang zu geschäftsrelevanten Inhalten ist kaum möglich

Geschäftsinhalte aus Legacy-Systemen zu extrahieren, die mit datenflussgesteuerten Programmiersprachen gebaut wurden, erweist sich nicht selten als schwierig. So sind Prozessengpässe fast unmöglich zu identifizieren, das Arbeitsaufkommen lässt sich nur schwer kontrollieren und die Möglichkeiten, Business-Trends abzuleiten, sind begrenzt. Doch gerade Letzteres ist heutzutage besonders wichtig, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten.

Selbst wenn Ihre IT-Mitarbeiter bereit wären, eine Lösung zur Überwachung der Geschäftsprozesse zu entwickeln, ist die Architektur Ihres Legacy-Systems möglicherweise nicht in der Lage, eine neuere, frische Geschäftsperspektive zu verstehen. Die Informationen, die Legacy-Systeme enthalten, mögen zwar immer noch gültig und relevant sein, jedoch ist die Architektur dieser Programme nicht darauf ausgelegt, das Geschäftswachstum zu erleichtern. Grundsätzlich sind Legacy-Systeme ausgezeichnete Datendepots; wenn es aber darauf ankommt, Schlussfolgerungen zu ziehen oder Vorhersagen auf Grundlage der in ihnen enthaltenen Daten zu machen, kommen ihre Schwächen sofort ans Licht. Ein Mangel an aussagekräftigen Informationen erschwert die Fähigkeit eines Unternehmens, zügig zu reagieren, wenn es die Situation erfordert.

Legacy System eigene Lösung bauen

4. Wartungs- und Personalkosten sind hoch und werden immer höher

In vielen Unternehmen sind Legacy-Systeme verantwortlich für die Kern-Geschäftsprozesse und somit den Lebensunterhalt der Organisation, sodass man sie sorgsam warten muss. Doch diese Wartung ist nicht ganz billig. Laut Gartner-Analysten geben Unternehmen zehn Mal mehr Geld für Anpassungen ihrer Anwendung aus, als die Software-Lizenz ursprünglich gekostet hat. Das Nettoergebnis von 15 Jahren kontinuierlicher Anpassungen ist eine extrem steife, unglaublich langsame und teuer zu ersetzende Anwendung.  

Auch auf personeller Ebene werden die Nachteile von Altsystemen spürbar: Überhaupt Fachkräfte zu finden, die sich um Ihr Legacy-System kümmern, wird mit der Zeit immer schwieriger. Einige Ihrer langjährigen IT-Mitarbeiter haben vielleicht das Unternehmen bereits verlassen und die Neuen tun sich mit dem Originalcode Ihrer Anwendung schwer. Wenn Sie aber Ihr Unternehmen attraktiv für Spitzentalente und vor allem die hoch begehrte Generation der Millennials machen wollen, dann bleibt Ihnen ohnehin nichts mehr übrig, als Ihr Legacy-System durch moderne Software zu ersetzen.

5. Begrenzte Funktionalität verhindert Innovation und Wachstum

Wir leben in der Informationsära und folglich muss ein Zugang zu benötigten Daten möglichst barrierefrei möglich sein. Ein Unternehmen kann nur dann mit anderen konkurrieren, wenn es in der Lage ist, genaue Informationen in Echtzeit und zur sofortigen Nutzung aus mehreren Quellen zur Verfügung zu stellen. Legacy-Systeme sind mit dieser Aufgabe schnell überfordert, was sich sowohl auf das Unternehmen als auch auf seine Kunden negativ auswirkt.

Die eigenen Mitarbeiter – ob auf IT-, Anwender- oder Entscheider-Ebene – kommen mit dem veralteten Interface und dem Mangel an Funktionalitäten nicht zurecht. So ist es in vielen Unternehmen keine Seltenheit, dass Angestellte zu viel Zeit damit verbringen, das System zu entschlüsseln. Einige versuchen es überhaupt zu meiden und erledigen stattdessen die Aufgabe manuell. Das führt nicht nur zu Zeitverlust und Frustration, sondern kann auch kritisch für die Sicherheit der Informationen und den Zugang zu ihnen sein. Zudem muss erwähnt werden, dass Ihr Altsystem Sie daran hindern könnte, neue Produkte und Angebote für Ihre Kunden zu entwickeln.

6. Ihr firmeneigenes Tool macht keinen Spaß mehr

Groß, klobig und nicht den gängigen Standards entsprechend: Ihr Legacy-System lässt sich kaum oder nur sehr mühsam verändern – das haben IT-Fachleute satt. Neue Systeme sind dagegen weitaus flexibler und aus kleineren Segmenten gefertigt, die je nach Bedarf genutzt oder angepasst werden können. Das wissen IT-Leute zu schätzen – kein unwichtiger Aspekt, wenn es darum geht, IT-Mitarbeiter dauerhaft im Unternehmen zu halten.

7. Ihr Team wirkt unmotiviert

Gehen wir die Sache mal aus psychologischer Sicht an: Was vermittelt die Nutzung eines Legacy-Systems der Belegschaft? Dass es ok ist, sich nicht zu verändern. Dass es in Ordnung ist, die heutigen Sorgen zu ignorieren und auf unbestimmte Zeit zu verschieben, weil ja die Gewohnheiten und Lösungen von gestern noch funktionieren. Wollen Sie Ihren Mitarbeitern wirklich lieber diese Einstellung vermitteln, als sie dabei zu unterstützen, den Blick für wichtige Neuerungen offen zu halten?

Welche Lösungen gibt es?

Ein Grüne-Wiese-Ansatz, der Ihr Team von seinen Legacy-Leiden befreit, mag zwar verlockend klingen, ist aber nicht realistisch. Wenn Sie ein Konzept für eine neue Strategie entwickeln, behalten Sie im Hinterkopf, dass sie es Legacy-Systemen ermöglichen soll, an der neuen Welt teilzunehmen. Denn Legacy-Ersatzprojekte können scheitern und nicht nur die Glaubwürdigkeit der IT-Abteilung beschädigen, sondern auch die Karriere ihrer Verantwortlichen. Dagegen kann eine neue, stabile Plattform mit bewährten Prozessen genau das Gegenteil bewirken. In diesem Sinne lohnt es sich, erst einmal die Möglichkeiten zur Modernisierung eines Legacy-Systems unter die Lupe zu nehmen.  

Legacy System Alternativen

Ersetzen

Muss Ihre Anwendung aufgrund des spezifischen Schwerpunktes Ihres Geschäfts bestimmte gesetzliche Vorschriften erfüllen, dann könnte das Ersetzen des alten Systems durch ein modernes, fertiges System „von der Stange“ eine Lösung sein. In allen anderen Fällen ist es empfehlenswert, sich nach weiteren Möglichkeiten umzuschauen. Gründe dafür gibt es viele:

  • Hohes Risiko: Da vorgefertigte Anwendungen alles andere als maßgeschneidert sind, besteht auch ein hohes Risiko, dass sie über keine Schnittstellen zu Ihren restlichen Systemen verfügen. Dies kann kritische Folgen für Ihr Unternehmen haben.
  • Äußerst kostspielig: Sowohl was den monetären Wert eines neuen Systems angeht, als auch die für die Implementierung benötigte Zeit. Das Ersetzen einer Anwendung kann Jahre dauern, denn meistens müssen sehr viele Anpassungen der Software an die bestehenden Prozesse und Schnittstellen vorgenommen werden.
  • Begrenzte Agilität: Obwohl sie mehr Flexibilität und Effizienz als bei den vorhandenen Legacy-Systemen mitbringen, besitzen vorgefertigte Lösungen meist eine steife Logik, die erst einmal einer teuren und zeitintensiven benutzerdefinierten Codierung unterzogen werden muss. Dies kommt in vielen Fällen vor, selbst wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.
  • Liefergeschwindigkeit: Legacy-Systeme, die 10, 15 oder 20+ Jahre im Einsatz waren, haben Unmengen an Daten gesammelt, die zuerst extrahiert und dann in das neue System integriert werden müssen. Dies verzögert das Rollout der neuen Anwendung und ist darüber hinaus mit einem hohen Aufwand verbunden.

Eigene Lösung bauen

Vielleicht wollen Sie das Problem mit Ihrem Legacy-System In-House beheben und selbst eine Lösung bauen? Möglichkeiten gibt es dazu viele, wie z.B. Wrapper, neues Frontend oder gar einen kompletten Ersatz. Für welche Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Anforderungen und Ressourcen ab. 

Vorteile:

+ Volle Kontrolle über Prozesse und Funktionalitäten

+ Strenge Kontrolle der Daten und Unternehmensintelligenz möglich

Nachteile:

Zeitintensiv, da man selbst für jedes kleine Detail verantwortlich ist

Personelle Engpässe, vor allem wenn allein schon für die Aufrechterhaltung Ihres Legacy-Systems die Fachkräfte fehlen

Kosten: Trotz interner Kontrolle, können Bedürfnisse und Anforderungen das vorgesehene Budget schnell übersteigen

Upgrade

Wenn Ihr Legacy-System auf einem der gängigen Frameworks, wie z.B. Oracle Forms gebaut wurde, ist ein Upgrade eine besonders attraktive Variante. Das Upgrade von einer älteren Forms-Version kann relativ schnell, günstig und ohne größere Probleme durchgeführt werden. Bereits nach kurzer Zeit haben Sie so wieder ein fehlerfrei funktionierendes System, das alle Möglichkeiten der aktuellsten Framework-Version unterstützt. Diese Variante eignet sich, um akute Brände zu löschen, ist allerding nicht die Lösung all Ihrer Probleme.

Vorteile:

+ Besonders schnell und kostengünstig durchzuführen im Vergleich zur Neuentwicklung

+ Soweit die Kompetenzen vorhanden sind, kann das Upgrade komplett oder teilweise mit eigenen Ressourcen durchgeführt werden

+ Applikationen laufen wieder in einer supporteten Umgebung und es stehen alle Vorteile des aktuellen Release zur Verfügung

Nachteile:

Keine neuen Technologien: Das System funktioniert zwar wieder einwandfrei, nutzt aber die gleichen Technologien wie das alte

– Technische und funktionelle Nachteile des bestehenden Systems werden auch nach dem Upgrade mitgenommen

– Möglicherweise sind keine innovativen Features vorhanden, die Sie auf eine Höhe mit den aktuellen Marktentwicklungen bringen

Migration

Eine Legacy-Migration macht Sinn, wenn in Ihrem Unternehmen aufgrund des digitalen Wandels technologischer Aufholbedarf besteht oder die Erschließung neuer Geschäftsmodelle angestrebt wird. Weitere Gründe für das Aufsetzen eines komplexen Migrationsprojekts sind steigende Kosten und Schwierigkeiten im Aufrechterhalten und Modifizieren des alten Systems.

Die Migration hin zu einer neuen Technologie erweist sich als eine der attraktivsten Lösungen, um ein Legacy-System zu modernisieren. Sie bietet vergleichbare Ergebnisse wie bei einer Neuentwicklung (z.B. Sicherheit, Wartbarkeit, hohe Verfügbarkeit, skalierbare Architekturen), ist aber wesentlich günstiger. Noch mehr Vorteile ergeben sich aus der automatisierten Migration, wie sie PITSS mit seinem Tool PITSS.CON anbietet. Im Fall von PITSS.CON wird das System erst analysiert und vom Deadcode bereinigt und anschließend komplett auf die neue Plattform migriert. Diese Methode verspricht einen überdurchschnittlich hohen Automatisierungsgrad der Migration, der in manchen Fällen sogar 90% übertrifft. Dadurch wird nicht nur ein nahezu perfektes Ergebnis garantiert, sondern auch Zeit und Kosten gespart. Der Ansatz von PITSS.CON ermöglicht die Migration in fast jede Zieltechnologie – von Oracle ADF über APEX bis hin zu Microsoft .NET und Jasper Reports.

Vorteile:

+ Niedrigere Kosten im Vergleich zur Neuentwicklung

+ Verhältnismäßig schnelle Durchführung innerhalb von einigen Monaten (im Idealfall)

+ Rückgewinnung der vollen Kontrolle über Ihre Anwendung

+ Wesentliche Wettbewerbsvorteile durch den Einsatz von State of the Art-Technologien

+ Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit Ihrer Anwendung durch Schließung von Sicherheitslücken und die Verbesserung der Handhabbarkeit

+ Bestehende Geschäftsprozesse lassen sich erweitern

Nachteile:

Höhere Kosten im Vergleich zu einem Upgrade

– Die Einführung neuer Geschäftsprozesse erfordert zusätzliche Arbeit

– Die Unterstützung durch Migrationsexperten ist erforderlich oder zumindest empfehlenswert

 

Quelle: PITSS GmbH

Ihre Handlungsalternativen nach Risiko und Nutzen.

Fazit

Trotz der Herausforderungen ist die Legacy-Modernisierung äußerst wichtig für Organisationen, die zu viel ausgeben, um den Geschäftswert ihrer veralteten Informationssysteme aufrechtzuerhalten. Das Bedürfnis nach Veränderung wird auch von der Tendenz verstärkt, hin zu neuen Plattformen wie ADF und APEX zu migrieren. Diese neuen Rechenparadigmen nutzen ein komponentenbasiertes, verteiltes Funktionsmodell, das in der Lage ist, Geschäftsprozesse intern oder mit Partnern über Web-Services zu automatisieren. Die Einführung neuer Rechnersysteme kann die Betriebskosten senken und es einfacher machen, ein Informationssystem an Marktveränderungen oder Wettbewerbsdruck anzupassen.

Dazu gibt es eine Vielzahl von Optionen, einschließlich des kompletten Ersetzens des Systems oder oberflächliche Maßnahmen wie Screen Scraping und Code Wrapping. Jeder der Ansätze macht unter bestimmten Umständen Sinn. Die letzteren Methoden bieten einen schnellen und kostengünstigen Zugriff auf die Legacy-Funktionalität, während die ersteren Legacy-Anwendungen mit schlechter Codequalität zu neuem Leben erwecken können. Doch für jene Unternehmen, die die Funktionalität ihres Altsystems auf einer modernen Plattform bewahren und erweitern möchten, kann die Modernisierung mithilfe von starken Migrationstools der optimale Ansatz sein.

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